Farbkarten

Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe: Die Unterschiede im Überblick

Im Baumarkt stehen Dispersionsfarben und Silikonfarben einfach nebeneinander und sehen im getrockneten Zustand fast gleich aus. Der Unterschied steckt im Bindemittel, und das hängt damit zusammen, wie die Farbe am Untergrund haftet und wie gut ein späterer Anstrich darauf hält.

Dispersionsfarbe vs. Silikatfarbe: Das haben Sie im Eimer

Beide Farben bestehen aus denselben Grundzutaten: 

  • Wasser
  • Pigmente
  • Füllstoffe
  • Ein Bindemittel

Das Bindemittel hält die Pigmente zusammen und verbindet sie mit der Wand. Die Art dieses Bindemittels unterscheidet Silikatfarben von Dispersionsfarben. 

Dispersionsfarbe: Kunststoff als Bindemittel

Bei Dispersionsfarbe sind winzige Kunststoffteilchen im Wasser verteilt, in der Regel auf Basis von Acrylat oder Vinylacetat. Verdunstet das Wasser nach dem Auftragen, rücken diese Teilchen zusammen und bilden einen zusammenhängenden Film, der auf dem Untergrund aufliegt. Dieser Film ist der Grund für die guten Verarbeitungseigenschaften: 

  • Die Farbe bleibt länger nass, 
  • verläuft gleichmäßig und 
  • lässt sich auch ohne große Übung streifenfrei aufrollen.

Der fertige Anstrich ist mechanisch belastbar und lässt sich abwischen. Wie belastbar genau, erfährt man durch die Nassabriebklasse nach DIN EN 13300. Klasse 1 steht für scheuerbeständige Qualität, wie sie in Küchen oder Treppenhäusern sinnvoll ist, Klasse 3 für normale Wohnraumfarben. Dispersionsfarbe deckt außerdem gut, ist in fast jedem Farbton erhältlich und im Materialpreis günstiger als mineralische Alternativen.

Silikatfarbe: Wasserglas statt Kunststoff

Silikatfarbe enthält Kaliwasserglas als Bindemittel. Der Anstrich trocknet nicht einfach auf, sondern geht eine chemische Verbindung mit mineralischen Untergründen ein. Fachleute sprechen von Verkieselung: Das Wasserglas reagiert mit dem Kalk oder dem Silikat im Putz und verzahnt sich mit ihm. Statt einer Schicht auf der Wand entsteht eine Verbindung mit der Wand.

Reine Silikatfarben dürfen höchstens fünf Prozent organische Zusätze enthalten. Der Rest ist mineralisch, und daraus ergeben sich zwei Eigenschaften, die im Vergleich immer wieder genannt werden:

  1. Erstens bleibt die Oberfläche stark wasserdampfdurchlässig, Feuchtigkeit aus der Raumluft kann in den Putz einziehen und wieder heraus. 
  2. Zweitens liegt der pH-Wert deutlich über 7, die Oberfläche ist also alkalisch.

Schimmelsporen finden auf einem solchen Untergrund kaum Lebensgrundlage, weshalb Silikatfarbe oft in feuchtebelasteten Räumen zum Einsatz kommt.

Diffusionsfähigkeit im direkten Vergleich

Die Wasserdampfdurchlässigkeit wird über den sd-Wert angegeben, also die Dicke einer Luftschicht mit gleichem Widerstand. Silikatfarben liegen typischerweise bei 0,01 bis 0,05 Metern, klassische Dispersionsfarben je nach Rezeptur bei 0,1 Metern und darüber. Das bedeutet: Eine mineralisch gestrichene Wand nimmt kurzzeitige Feuchtespitzen auf und gibt sie später wieder ab, bei einem dichten Kunststofffilm ist der Austausch verzögert.

Entscheidend ist dabei der gesamte Wandaufbau. Sitzt unter der Silikatfarbe eine Tapete oder eine dichte Innendämmung, nutzt der Vorteil in der Praxis nichts, weil die Feuchtigkeit gar nicht bis in die Wand gelangt. Der Nutzen entfaltet sich nur, wenn Putz und Anstrich im selben System arbeiten.

Passt zum Raum Silikat- oder Dispersionsfarbe? Entscheidungshilfe 

Ganz unabhängig vom Farbton richtet sich die Entscheidung zwischen Dispersions- und Silikatfarbe vor allem nach Untergrund und Nutzung des Raums. 

Wohnräume und stark genutzte Flächen

In Wohn- und Schlafräumen sowie in Flurbereichen spielt die mechanische Belastung die größte Rolle. Wände, an denen Möbel stehen oder Kinder spielen, halten mit einer scheuerbeständigen Dispersionsfarbe länger sauber aus. Auch bei Wänden mit Streiflicht durch ein großes Fenster ist Dispersionsfarbe die verlässlichere Wahl, weil sie gleichmäßiger auftrocknet und Ansätze weniger sichtbar bleiben.

Keller, Bad und schimmelanfällige Ecken

In Räumen mit hoher Luftfeuchte, kalten Außenwänden oder bereits sanierten Schimmelschäden spricht viel für den mineralischen Aufbau. Die alkalische Oberfläche wirkt vorbeugend, ohne dass chemische Filmkonservierer nötig sind. Wichtig bleibt: Silikatfarbe beseitigt keine Ursache. Liegt eine undichte Abdichtung oder eine Wärmebrücke vor, muss zuerst die Bauphysik stimmen.

Altbau, Denkmalschutz und Fassade

Auf Kalk- und Kalkzementputzen sowie auf Sichtbeton ist Silikatfarbe technisch zu Hause. Sie bindet direkt an den Untergrund, blättert nicht flächig ab und bleibt farbstabil, weil mineralische Pigmente kaum unter UV-Strahlung leiden. Bei denkmalgeschützten Fassaden gibt die Behörde den mineralischen Aufbau ohnehin häufig vor.

Kann man Silikatfarbe auf Dispersionsfarbe streichen?

Diese Frage stellt sich bei fast jeder Renovierung im Bestand, denn in vielen Wohnungen liegen bereits mehrere Schichten Dispersionsfarbe auf dem Putz.

Warum die Verkieselung nicht greift

Silikatfarbe braucht einen mineralischen, saugenden Untergrund für die chemische Verbindung. Ein Kunststofffilm hat diesen nicht. Reine Silikatfarbe direkt auf altem Dispersionsanstrich verkieselt nicht, sondern liegt lose auf und neigt zu Rissen oder Abplatzern

Die passende Grundierung für Silikatfarbe auf Dispersionsfarbe

Eine Grundierung für Silikatfarbe auf Dispersionsfarbe schafft die fehlende mineralische Basis. Verwendet werden dafür quarzgefüllte Haftgrundierungen, oft als Silikat-Haftgrund oder Quarzgrund bezeichnet. Der eingebettete Quarzsand gibt der Oberfläche eine raue, mineralische Struktur, an der sich die Silikatfarbe verankern kann.

Vor dem Grundieren gehört der Altanstrich geprüft. Lose oder kreidende Stellen werden abgewaschen oder abgekratzt, glänzende Flächen vorher angeschliffen. Bei mehreren dicken Altschichten oder bei Latexfarbe ist das vollständige Entfernen die sauberere Lösung, auch wenn der Aufwand höher liegt. Der Diffusionsvorteil bleibt in jedem Fall begrenzt, solange der Kunststofffilm unter der Grundierung sitzt.

Silikatdispersionsfarbe als praktischer Mittelweg

Für den Bestand gibt es Silikatdispersionsfarben, auch Dispersionssilikatfarben genannt. Sie enthalten Wasserglas plus einen Anteil Kunststoff von bis zu fünf Prozent und haften deshalb auf mehr Untergründen als reine Silikatfarbe. Die Diffusionswerte bleiben besser als bei klassischer Dispersionsfarbe, ohne die volle mineralische Wirkung zu erreichen. Für Wohnräume mit vorhandenem Altanstrich kann das unter Umständen die sinnvollste Kombination aus Haftung und Feuchteverhalten sein.

Und umgekehrt: Kann man Dispersionsfarbe auf Silikatfarbe streichen?

Der umgekehrte Weg ist unkomplizierter. Dispersionsfarbe auf Silikatfarbe streichen gelingt ganz gut ohne Spezialgrundierung, weil der Kunststofffilm auf der rauen mineralischen Oberfläche gut Halt findet.

Vorbereitung und Voruntersuchung

Prüfen Sie den alten Silikatanstrich mit der Klebebandprobe und mit der Hand. Staubt die Fläche ab oder kreidet sie, sorgt eine Tiefengrundierung für Festigkeit und gleichmäßiges Saugverhalten. Stark saugende mineralische Flächen ziehen sonst zu viel Wasser aus der Farbe, was Ansätze und ungleichmäßige Deckkraft nach sich zieht. Zwei dünne Anstriche liefern hier ein besseres Ergebnis als ein dicker.

Was durch den Wechsel verloren geht

Mit dem Kunststofffilm verschwindet die hohe Diffusionsfähigkeit der Wand, und der alkalische Schutz vor Schimmel entfällt. In einem trockenen Wohnraum fällt das nicht auf. In einem kühlen Schlafzimmer an der Außenwand oder im Souterrain kann der dichtere Anstrich Feuchtigkeit an der Oberfläche halten. Bei Räumen mit Feuchtevorgeschichte lohnt daher der Rückgriff auf ein mineralisches Produkt, statt aus Preisgründen zur Dispersionsfarbe zu wechseln.

Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe: Die Entscheidung in kurzer Form

Für den schnellen Vergleich: 

  • Dispersionsfarbe: Robustheit, Verarbeitung, Farbtonauswahl und günstigerer Preis
  • Silikatfarbe: Diffusionsfähigkeit, Schimmelvorbeugung, Lichtbeständigkeit und Haftung auf mineralischem Putz

Praktisch lässt sich die Wahl an zwei Fragen aufhängen: 

  1. Erstens: Wie ist der Untergrund aufgebaut? Neuer Kalkzementputz oder eine frisch sanierte Wand sprechen für Silikat, mehrfach überstrichene Altwände für Dispersion oder für eine Silikatdispersionsfarbe. 
  2. Zweitens: Wie wird der Raum genutzt? Feuchtebelastung spricht für mineralisch, mechanische Belastung für den Kunststofffilm.

Anstrich und Untergrund vom Fachbetrieb prüfen lassen

Die Bau Beso GmbH ist seit 1990 im Umkreis von 70 Kilometern um Hannover für Malerarbeiten, Bausanierung, Trockenbau und Schimmelsanierung im Einsatz. Weil bei uns alle Leistungen aus einer Hand kommen, beurteilen wir nicht nur die Farbe, sondern gleich den gesamten Wandaufbau: Putzzustand, Feuchtigkeit, Altanstrich und die dazu passende Grundierung.

Sie planen einen neuen Innenanstrich und wollen wissen, ob Ihre Wand einen mineralischen Aufbau trägt? Sprechen Sie uns an unter 0511 38821326 oder mobil unter 0172 5105144, per E-Mail an info@bau-beso-gmbh.de oder direkt über unsere Kontaktseite. Wir sehen uns die Flächen vor Ort an und erstellen Ihnen einen individuellen Kostenvorschlag.